Alfons bei seiner Tagesmutter

Nach Alfons‘ Geburt am 3.4.2009 war ich ein Jahr mit ihm zu Hause; danach übernahm Alex ein paar Monate die Elternzeit und ab August 2010, mit fast anderthalb Jahren, besuchte er Kerstin, seine Tagesmutter. Dort blieb er bis zum August 2013, drei lange wunderbare Jahre. 

Nachfolgend erzähle ich Geschichten aus diesen Zeiten.

Tagesmutter '10-'13

Kürbisfest und Lampionumzug bei Kerstin auf dem Berg; im Oktober 2013 war Alfons schon in der Kita, aber wir waren trotzdem noch mal eingeladen.

aufgeschrieben am 5.7.20

Ein Buchfink im Bahnhof Jamlitz (aufgenommen im Juni 2020 von Laura; ich musste sofort an Alfons denken).

Ein Vogel kommt zu uns

Kerstin findet mit den Kindern auf ihren täglichen Spaziergängen einen schwarzen Vogel. Keiner weiß, was mit ihm passiert ist und niemand kann sich um ihn kümmern. Alfons bringt ihn mit nach Hause. Er lebt einzwei Wochen in einer Kiste auf der warmen Fußbodenheizung im Bad oben. Wir füttern ihn mit Semmel und kleinen Tieren und geben ihm Wasser. Ich erinnere mich, wie wichtig das alles für Alfons war. Und weiß aber auch um meine Überforderung, neben den Kindern, dem Haus, der Arbeit, der Familie auch noch einen Vogel durchbringen zu müssen. Er starb. Begruben wir ihn im Garten bei Lucie, Rudi, den Kaninchen und Eichhörnchen? Ich weiß es nicht mehr.

aufgeschrieben am 8.6.20

Heckenrosen

Überall blühen jetzt die wilden Rosen; weiße, rosafarbene, pinke, rote Hundsrosen*… Eine wuchs in Kerstins Hof, bei Alfons‘ Tagesmutter. In jedem Frühling war ich berührt von ihnen und sagte immer, ich nehme mir eine Ableger mit. Als Alfons schon in die Kita ging, brachte mir Kerstin einen kleinen Wurzelstock vorbei. 2013 oder 2014. Er rankt seit dem im Hof am Eingang, am Vorbau empor. Dort, wo Alfons‘ Schaukel hin und her schwang, bildete sie früher keine Triebe. Nun, wo die Schaukel fehlt, wächst sie wild in den Eingang. Ich mag sie. Sie erinnert mich an Alfons und an Kerstin und ihre Früchte banden wir mit Alfons an Geschenke oder sie blieben und bleiben für die Vögel im Winter…

 

*Gerade lese ich, dass sie 300 Jahre alt werden könne. Alfons und ich sprachen oft davon, dass viele Bäume uns überdauern. Länger leben als Menschen es können. Aber eine Rose! Und was sind die neun Jahre von Alfons gegenüber den 300 Jahren der Rose. Was sieht sie alles. Wir haben das mit Alfons oft gesagt: Was haben die Bäume schon alles gesehen und was werden sie noch sehen, wenn wir nicht mehr sind.

aufgeschrieben am 8.9.19

Saskia, die Mutti von Tessa, Alfons‘ Spielgefährtin bei Kerstin, schickte mir ein abfotografiertes Bild. Da sind Tessa und Alfons verkleidet zu sehen. Alfons als Prinzessin. Er schaut skeptisch. Ich kenne davon noch andere Aufnahmen. In seinen Fotoalben, die ich für die Kinder anfertigte, sind viele solcher lebendigen Bilder aus dieser Zeit eingeklebt, die wir von Kerstin bekamen.

aufgeschrieben am 4.8.19

Leider habe ich kaum Fotos aus dieser Zeit; Kerstin hatte uns ab und an aktuelle mitgegeben, die nun in seinen Alben kleben.

Alfons war ein aufmerksames Kind. Bei zeiten kannte er den Weg, den Kerstin mit den Kindern jeden Tag lief, bei Wind und Wetter. Er kannte ihn auswendig und malte ihn wie eine Landkarte (wenn ich es schaffe, durchsuche ich seine vielen Kartons voller Gebasteltem und Bilder): ich erinnere mich an den Katzenberg, an dem sie lang gingen.

Ich erinnere mich auch an das Kürbisfest im Oktober und die Vogelhochzeit im Januar, die Kerstin mit den Kindern unternahm. Alfons war sehr gern bei ihr.

Einmal stürzte er, noch klein und im Sitzen, von einer flach auf dem Boden liegenden Matratze einfach um und stieß sich mit der Nase an etwas blutig. Es sah seltsam wund aus, aber „bis zur Hochzeit“ ist alles wieder gut. Als er neun war, sah man von der Narbe nichts mehr, die er eine zeitlang davongetragen hatte.

Später besuchten Alfons und ich Kerstin immer dann, wenn wir zu Konstanze zum Friseur gingen. Manchmal mit Kuchen, manchmal sprachen wir auf dem Hof zusammen. Das letzte Mal ein paar Wochen vor der Abfahrt nach Berlin.

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