Charité in Berlin (Juli-Oktober 2018)

Mittwoch, 17. Oktober 2018

Alfons‘ Herz hat am 17.10. um 15.30 Uhr aufgehört zu schlagen.

Er hat bis zum Ende zurück ins Leben finden wollen. Unerbittlich gekämpft. Sein Herz schlug so rasend schnell, Tag für Tag, als wäre er drei Wochen durchgängig Marathon gelaufen. Alle Versuche, seine schwere Lungenentzündung, die Entzündungen im Magen und in der Blase zu bekämpfen, schlugen fehl. Vor dem Koma hat er seine Schmerzen auf bewundernswerte Weise durchlitten, nie mit den Dingen gehadert, immer nach vorn geguckt, Träume gehabt. Einer davon war, endlich wieder in die Schule zu gehen und seine Freunde zu treffen.

In allen Monaten seiner Krankheit war sein Bruder Carl jeden dritten Tag, später jeden zweiten Tag an seiner Seite. Er sprach mit ihm, las ihm vor, lud Musik für ihn herunter. Wir als Eltern waren rund um die Uhr bei Alfons. So oft habe ich geweint, weil ich ihm die Schmerzen nicht abnehmen konnte. So oft haben wir auf der Station 30i auf die Umstände hingewiesen. Und so sehr waren wir am Ende mit Alfons zusammen müde und verzweifelt und kaputt.

Und nun fehlt uns Alfons. Er ist so wissbegierig, aufmerksam, wach, mitfühlend, witzig, frech, reflektierend, fragend, zuhörend und freundlich. Ein Springinsfeld. Unser Schnuppel, Mausepiep, Spatzenkind und Engel. Wir verstehen nicht, warum die Welt solche Kinder sterben läßt. 

Carl, Anett und Alex

Seit Dienstag, dem 25. September, 11 Uhr ...

Alfons ist weiter lebensbedrohlich erkrankt. Er wird noch beatmet und liegt im künstlichen Koma. Sein Zustand ist stabil. Er selbst, wir und die Ärzte ringen jeden Tag.
Bitte sprecht mit ihm von den schönen Dingen, die ihr mit ihm erlebt habt und erleben wollt! Er hört und spürt euch! Habt Dank dafür!
Wir können uns nicht so häufig melden, da wir alle Kraft Alfons geben und auf der Intensivstation der Handyempfang untersagt ist.

… liegt Alfons auf der Kinderintensivstation 25i der Charité. Sein Körper konnte den Schmerzen, zunehmend Fieber und Erbrechen, und den immer neuen „Baustellen“ in den letzten Wochen kaum noch Kraft entgegensetzen. Er schlief kaum noch und war zunehmend in Angst und Schrecken vor jedem Erbrechen, vor jeder Kolik, vor jeder Ansage der Ärzte. Zugleich erlebte er uns als Eltern in heller Aufregung, weil immer häufiger Ärzte planlos wirkten, Visiten nicht stattfanden, die Schmerztherapie wirkungslos blieb und wir von Sonntag 22 Uhr bis Montag 17.30 Uhr auf einen simplen Sonographietermin warteten, um den Koliken auf den Grund zu gehen, und dieser nicht zustande kam, weil „trotz der stationsseitigen Anmeldung noch kein Termin aus der zuständigen Sonographieabteilung benannt worden war“. Als wir dann 17.30 Uhr mit Alfons, dem es zusehends schlechter ging, samt Bett durch das Krankenhaus fuhren, stellte sich in der Sonographie heraus, er war noch immer nicht angemeldet. Wir warteten mit unserem transplantierten Kind unter Schmerzen 30 Minuten. Eine Nachfrage der dortigen Ärztin, ob noch geröntgt werden soll, ergab von Station 30i ein Nein. Als wir 18.30 Uhr zurück auf Station waren und Alfons gewaschen war, kam ein Arzt, der uns zum Röntgen schickte! Also wieder im Bett in den Fahrstuhl und runter zum Röntgen.
Dieses Chaos erlebten wir viele Male auf Station 30i. Oft war es den Schwestern zu verdanken, die Alfons täglich sahen, das richtige Entscheidungen getroffen wurden. So auch am Dienstag früh, als Schwester Sabrina den rapiden Sauerstoffabfall in Alfons´ Blut registrierte, einen Arzt holte. Und als kurz darauf 10 Ärzte (es war Chefarztvisite) im Raum standen, wurde schnell entschieden, Alfons auf die Intensivstation zu verlegen. Das war für Alfons und uns ein Schock!
Auf der Station 25i angekommen, sollte er eine Atemmaske unter leichter Sedierung und einen neuen Katheter erhalten. Während des Eingriffs stellten die Ärzte Blut in der Lunge und eine Lungenentzündung fest, dazu eine Sepsis. Die Sonographie ergab eine entzündete Leber. Er wurde ins künstliche Koma gelegt und bekam einen Tubus in die Lunge. Sauerstoff und Stickstoff. Dazu automatisierte Kühlakkus an Beinen und Oberkörper. Blutdrucksteigernde Medikamente, Breitbandantibiotika, Bluttransfusionen, insgesamt 19 oder 20 Medikamente…
Schon am nächsten Tag sah seine bräunlich-rote Haut wieder durchblutet aus. Die Ödeme an den Augen gingen zurück. Das Erbrechen von Galle hörte auf. Er kam zur Ruhe. Seine Organe entspannen sich. Er ist schmerzfrei. Er schläft tief, kann aber die Ansprachen der Schwestern, Pfleger und Ärzte wahrnehmen und mit dem Kopf leicht nicken. Er formt mit den Lippen „Mama“, ist aufgeregt, weint und konnte Dank Alex, der heute erkannte, das Alfons kackern musste, endlich loslassen.

Wir waren in furchtbarer, nicht vorstellbarer Sorge. Alfons war kurz vor dem Kollaps. Wir sind den Ärzten dankbar, wie schnell und versiert und hingebungsvoll sie Alfons helfen. Er ist nun stabil, noch nicht ganz über den Berg. Die Ursachenanalyse läuft. Heute gab es eine gute Nachricht: die Organe sind nicht durch die GvHD angegriffen! Wenn es eine Flutung von verschiedensten Viren, Keimen, Pilzen ist, gibt es die Überlegung T-Zellen zu transplantieren, die wir als Eltern ihm spenden können. Das werden wir morgen wissen.

Sobald Alfons wieder im Bett sitzt und am Leben teilnehmen kann, meldet er sich hier zurück. Wir wollen ihn hier auch nicht in seinem Leid zeigen, nur einen Blick in sein drittes Zimmer, was er am Dienstag, fast mit Beginn des 3. Monats in der Charité. bezogen hat.

Montag, 24. September 2018 - Tag 48

Am Sonntag haben wir erfahren, dass die Blutwerte sich verschlechtert haben. Daraufhin hat Herr Hundsdörfer alle Antibiotika abgesetzt. Nur noch Antivirenmittel. Und am Abend endlich ein Schmerzmittel, was die Magenkoliken wegmachte. Etwas. So habe ich nur noch 5 mal gebrochen. Aber das Fieber war wieder bei 39,2. Jetzt massiert mich Papa. Und dann soll es eine Sonographie geben. Wir warten. Ich liege ohne Kraft, nur mit Schmerzen, Übelkeit und komme nicht mehr hoch.

Sonnabend, 22. und Sonntag, 23. September 2018 - Tag 46 und 47

Nach über zwei Wochen sind endlich die Schmerzen in der Blase weg. Nun habe ich Bauchkrämpfe. Seit zwei Tagen muss ich viel Brechen. Manchmal alle zwei Stunden in der Nacht, nur Galle kommt da raus, grünes Schleimzeugs, weil ich ja schon ewig nichts mehr essen kann. Ich bin matt. Herr Hundsdörfer hat mir wieder Neurocil gegeben. Das wirkt im Gehirn und wenigstens ist damit etwas die Übelkeit weg. Wovon die Magenschmerzen kommen, weiß noch niemand. Die CVM-Viren sind aber gesunken und mein Blut ist einigermaßen stabil und die GvHD verschwindet langsam. Ich kann mich gar nicht richtig freuen, weil die neuen Schmerzen so schlimm sind. Gestern, am Sonnabend, ging es mir am Tag etwas besser. Da ist Mama mit mir eine halbe Stunde rausgegangen. Und Pumuckl höre ich ein wenig. Auf mehr kann ich mich nicht konzentrieren. Ich will nicht verzweifeln, aber ich habe auch Angst, ich werde nicht gesund. Papa und Mama versuchen aber alles, damit es besser wird und es mir bald gut geht.

Und Danke für die Grüße von Oma, von Tante Elke, Julia und Veronika (habe mich über das Lego sehr gefreut), von Ramona und Jim, von Petra, von Sandy, von Schwester Maren von der K1 des CTK Cottbus und von vielen vielen mehr…

Donnerstag, 20. und Freitag, den 21. September 2018 - Tag 44 und 45

Fieber. Übelkeit. Erbrechen. Schlappsein. Am Tag und in der Nacht. Ein Virenstamm ist riesig hoch in mir, sagt Herr Hundsdörfer. Die Medikamente dagegen machen die Übelkeit. Aber wir müssen das in den Griff bekommen, sagen alle. Und die neuen Leukozyten müssen lernen, die Viren zu bekämpfen, auch wenn sie im Körper von meiner Spenderin nicht waren. Alles ist so kompliziert. Dabei will ich nur Durchschlafen können, nicht mehr Brechen müssen, Rausgehen können. Endlich etwas gesund werden.

Mittwoch, 19. September 2018 - Tag 43

Fieber. Übelkeit. Wie immer am Morgen. Papa lässt mich noch schnuffeln, dann ist Verbandswechsel, Schule und wir gehen Draußen spazieren. Als Mama kurz nach 18 Uhr von der Arbeit kommt, bin ich schon knülle. Das Fieber ist gesunken. Ich konnte wieder nichts essen und Mama sagt, als sie mir meine Füße und Beine massiert, ich werde immer dünner. Papa fährt los zur Arbeit. Ich will nur noch schlafen…

Dienstag, 18. September 2018 - Tag 42

Heute Morgen: Fieber, Übelkeit. Mama hat bei mir geschlafen.

Gestern am Nachmittag ging es mir besser und wir waren sogar 45 Minuten draußen. Im Lotto-Laden habe ich mir eine Kakaomilch gekauft. Und die Nacht war am Anfang gut, weil ich ein starkes Mittel gegen Übelkeit hatte…

Und heute früh dann Fieber 🙁 Und es kam Herr Hundsdörfer und sagte mir, es sei besser, den Katheter auszutauschen anstatt zu reparieren.  Er hat mir alles gut erklärt, warum und wieso. Aber als er raus war aus dem Zimmer, musste ich weinen. Wieder eine OP und eine Narkose. Ich hatte gedacht, dass kommt nur noch einmal am Ende, wenn alle Behandlung vorbei ist. Jetzt bin ich wütend und verzweifelt und traurig und will weder Mama noch Papa sehen. Sie sollen mich alle in Ruhe lassen. Mit dem Essen und den Medikamenten und dem verstopften Ding. Warum konnten sie nicht aufpassen?

Sonntag, 16. und Montag, 17. September 2018 - Tag 40 und 41

Fieber. Übelkeit. Erbrechen. Nichts essen können. Liegenmüssen. Und so viele Medikamente. Das alles steckt in dem Selfie von mir.

Ein klein bisschen besser ist es, wenn Papa oder Mama meine Füße massieren. Mama hat bei mir die Nacht geschlafen. Papa motiviert mich zum Malen und dann kommt die Schule. Es ist für uns alle so anstrengend. Ich bin verzweifelt und trotzdem sagt Mama, wir schaffen das…

PS: Carl war mich besuchen, aber ich habe es nicht gemerkt, weil ich mit Fieber geschlafen habe….

Sonnabend, 15. September 2018 - Tag 39

Wieder Fieber. Ich liege und fühle mich elend. Mittags und nachmittags geht es etwas besser. Ich kann mit Mama bastelt und schicke Papa ein Selfie mit gefletschten Zähnen. Abends tut mir wieder alles weh. Ich habe kein Fieber, aber alle Gliedmaßen schmerzen und meine Fußsohlen krabbeln (von der GvHD), so dass ich keine Ruhe finde 🙁 Mama massiert mich und fettet mich mit der Linola Fett ein, weil meine Haut rauh und spröde ist. Papa macht ein Foto und ich kann das eigentlich nicht leiden….

Freitag, 14. September 2018 - Tag 38

Wieder Fieber. Dann fuhren Mama und ich zur ECP-Behandlung und wurden zurückgeschickt, wegen des Fiebers. Dabei wäre es heute gut gewesen, weil meine GvHD plötzlich am ganzen Körper zu sehen war. Mama hat gecremt und mit den Schwestern gesprochen und ich habe gelegen und nur einen Kakao getrunken. So platt war ich. Und dann gab es viele kleine Lichtblicke am Tag: ein Paket von Friedrich und Olga, der Besuch von Malte und Manja (auf die ich mich sooo gefreut habe und dann ging es mir nicht so gut), das Paket von Fynn und Sandy und dann brachte Papa noch die Eistichsuppe von Oma Schmelze mit… Habt alle Dank!

Donnerstag, 13. September 2018 - Tag 37

Der Tag fing ganz ruhig an. Mama und ich sind um neun zum ECP in den Keller der Charité zur Stammzellentherapieabteilung. Dort wurde ich für vier Stunden an die Maschine angeschlossen, die meine GvHD verbessern soll. Heute früh war sie doll, krebsrote Hände und Füße, nicht nur an den Unterseiten. Ich bekomme weniger Kortison und dafür muss die ECP jetzt langsam helfen. 

Also saßen wir dort und bauten Lego (das Wohnmobil-Lego, was mir Tante Elke geschenkt hat und worüber sich alle Schwestern heute gefreut haben) und als ich damit fertig war, las Mama aus Tante Mel wird unsichtbar vor. Als wir mit dem ECP fertig waren, sind wir noch eine ganze Stunde spazieren gewesen und haben Kastanien gesammelt.

Später kochte Mama eine Gemüsesuppe, die ich nicht essen wollte. Ich trank Kakao und schlief ein. Zwei Stunden lang und Mama war schon unruhig und dann war klar: ich habe wieder Fieber, 38 Grad. Mir war übel, ich fühlte mich so schlapp (und musste 4 Tabletten und einen Medizinsaft nehmen) und wollte nichts essen, nicht sprechen, nicht berührt werden. Es ist doch einfach zum verrückt werden. Es macht mich wütend, dass es mir nach ein paar guten Stunden wieder so schlecht ergehen muss :(((

Mittwoch, 12. September 2018 - Tag 36

Heute habe ich wenig gegessen, erst abends als Mama von der Arbeit kam und mir Gyros in der Pfanne gebruzelt hat. Dafür musste ich den ganze Tag über viele Tabletten nehmen, auch Kalium als Brausetablette und da hab ich gebrochen. Ich bekomme auch neue Medikamente gegen den BK-Virus . Das Erbrechen, die Schmerzen beim Pullern, die Tabletteneinnahme – alles kostet mich so viel Kraft und wenn ich Mamas verzweifelt-genervten Blick sehe, will ich ein Junge sein, der tapferer ist. Mama beruhigt mich dann, dass alles gut ist, so wie ich bin. 

Den Tag über haben Papa und ich gemalt (den Löwen in orange) und wir waren spazieren und haben eine Kastanie gefunden. Dann kam Post von Susan und Andrea, ein Buch. Und Elke und Veronika haben selbstgemachten Apfelmus und ein Lego mit Mama mitgegeben. Habt vielen Dank ihr Alle, auch für alle Grüße! Das Paket von Fynn ist schon zum zweiten Mal nicht angekommen 😉 Jetzt bringt es mir Manja mit am Freitag. Und noch etwas ist passiert: Dobby, Fluschi und Bärchen haben einen neuen Kumpel bekommen – einen dicken Bären mit Motorradmütze! Mit dem versuche ich nun einzuschlafen, obwohl mir ganz übel ist…

Dienstag, 11. September 2018 - Tag 35

Früh um vier oder fünf Uhr wurde schon mein Trinken weggeräumt. Wegen der Knochenmarkpunktion. Mama hat mich dann sieben Uhr gewaschen und wir haben gewartet, wann es losgeht. Ich wollte es nicht. Und als es dann losging, war der blaue Katheterarm verstopft und Schwester Sabrina, die Wundschwester, hat mit viel Geduld (sie sagt, sie hat eigentlich keine) und Heparin die Leitung durchgängig gespült. Dann haben sie sich entschieden, die Punktion in meinem Zimmer zu machen und Mama wurde raugeschickt, als ich eingeschlafen war. Alle waren sehr lieb zu mir und fragten und erzählten… Und schon war es vorbei…

Mittags bruzelte Papa die Sandwiches und sie schmeckten vorzüglich. Aber dann überkam mich blitzschnell Übelkeit (weil immer noch die Stammzellen in mir unterwegs sind und mich schwindelig machen) und nichts ging mehr. Alles wieder raus 🙁  Und als das vorbei war, kam die Visite und sagte folgendes: keine Blasten mehr im Blut! Die Krankheit MDS ist weg aus meinem Knochenmark :))))) Dann muss ich nur noch gesund werden!

Abends hat mir Papa dann noch mal Sandwiches gemacht und Mama hat mir ein Foto geschickt, welche Bücher – alle von Salah Naoura – sie zum Vorlesen organisiert hat 🙂

Montag, 10. September 2018 - Tag 34

Es plagen mich höllische Blasenschmerzen, aber zum Glück werden die Abstände größer und Herr Hundsdörfer sagte heute, vielleicht gibt es ein Medikament, was mir helfen kann. Nun habe ich zwei Viren und einen Keim in mir, gegen den die Ärzte und ich etwas tun.

Früh habe ich einen ganzen Joghurt gegessen, dann Sport gemacht und mit Frau Kießling gehäkelt. Mittag kam Papa mit Kartoffelpüree und Klopsen, selbstgemacht 🙂 Da habe ich einen ganzen gegessen! (Gestern habe ich Mama für 2 Wochen meinen Wunschessensplan diktiert und das klappt gut mit Papa, weil er vor allem kocht. Mama kocht nur Suppen.) Am Nachmittag besuchte mich Carl und wir waren draußen. Mama war im Elternhaus und wollte ein Foto von uns und Papa hat es gegen unseren Willen gemacht! Abends ging es mir so gut, dass Mama und ich bis fast halb neun geknetet haben. Mit Knete, die an der Luft trocknet. Wir haben kurz überlegt, was wir kneten. Mama sagte, etwas für die Mutmacherkette. Und ich sagte, ja, einen Apfel oder eine Birne dafür, dass die kranken Kindern wieder anfangen zu essen 🙂 Wie ich jetzt 🙂

Sonntag, 9. September 2018 - Tag 33

Wieder hat mich die blöde Blase gepiesackt, alle 10, 20 Minuten. Abends dann hintereinanderweg, als sie mir Lasexs gaben, damit ich entwässert werde. (Ich habe heute mehr als 33 kg gewogen, obwohl ich nur 31,5 kg schwer bin. Also war zu viel Wasser in mir durch die ganzen Infusionen und Medikamente. Und das muss raus.)

Am Vormittag hat Papa mit mir einen Löwen aus Holz gebastelt, Nachmittags war Mama mit mir eine Stunde draußen. Im Rolli und mit Ente. Danach war ich ziemlich kaputt. Selber laufen kann ich nur fünf Schritte.

Am meisten habe ich mich über Post von meiner Klasse gefreut – so viele tolle Bilder. DANKESCHÖN. Mama zeigte mir jedes Bild und ich habe geraten, von wem es ist. Ich lag fast immer richtig und manches konnte ich lesen, was jemand geschrieben hat für mich. Ist meine Postkarte bei euch angekommen?

Sonnabend, 8. September 2018 - Tag 32

Ich habe Schmerzen. Alle 20 Minuten beim Pullern. Wahnsinnige Schmerzen in der Blase. Ich hasse sie und verstehe nichts mehr. Mittags waren sie etwas leichter. Dann konnte ich Papas Frikassee essen. Einen ganzen Teller voll. Und ich konnte den Reis schmecken. Das war ein schönes Gefühl.

Freitag, 7. September 2018 - Tag 31

Ein „Rotsehtag“, eigentlich schon der dritte. Der dritte Tag Blasenschmerzen. Ich will Mama und Papa kneifen, so weh tut es beim Pullern. Mir laufen die Tränen. Diese doofe Krankheit. Alle Viren, die in mir sind, können auftauchen und ausbrechen. Und dazu die GvHD. Und so viele Medikamente gegen Bakterien, Viren, Fieber, Schmerzen, Immunsuppressiva, Kortison, gegen Übelkeit… Früh wieder die ECP-Behandlung. Dreivier Stunden an einer Maschine, die mein Blut filtert. Wer soll das alles verstehen, warum das so ist?

Donnerstag, 6. September 2018 - Tag 30

Heute waren wir zur Behandlung im Keller der Charité. In der Abteilung Stammzellen_Zelltherapie_Transplantation. Hier spenden Menschen ihre Stammzellen. So wie für mich. Und die Maschine, die neben meinem Bett steht, kann das und sie kann noch viele andere Sachen. So zum Beispiel in zwei Stunden ein paar weiße Blutkörperchen aus meinem Blut sammeln. Die wurden dann mit einem Medikament versetzt, was sie UV-empfindlich macht, und dann gab es eine UV-Bestrahlung. Anschließend kamen sie zurück in meine Blutbahn. Sie sind jetzt nicht mehr so aggressiv und greifen nicht meinen Körper an. Sie lernen, ihn zu akzeptieren. Das muß ich morgen noch mal machen und dann weitere 5 Wochen lang. Das ist das beste Mittel gegen die GvHD, dann kann das Kortison weg, was ich jetzt noch bekomme. Das war alles sehr aufregend. Mama hat mir vorgelesen. Wir haben SOLO gespielt und irgendwann nur noch Quatsch gemacht und gelacht. Mein Fieber ist erstmal weg. Nur noch die saudoofen Blasenschmerzen sind geblieben. Dagegen bekomme ich Schmerzmittel. Und so hoffe ich – ich habe davor bisschen Angst, auch weil Mama in der Nacht nicht da ist – ich kann schlafen und es ist nicht wie letzte Nacht. Da bekam ich Durchfall und ich habe mich allein versucht zu waschen, aber dann waren doch das Bett und Bad dreckig und Mama hat früh erstmal große Wäsche mit mir gemacht…

 

PS: Für die Behandlung heute gab es eine Eule!

Mittwoch, 5. September 2018 - Tag 29

Am Vormittag habe ich noch an meinem Baumhaus gebaut und Papa hat mir „Star“ von Salah Naoura vorgelesen. Die Physiotherapie kam und auch die Lehrerin, aber ab Mittag hatte ich Fieber und abends 39 Grad. Da war dann Mama bei mir und Papa ist zur Arbeit gefahren. Ich konnte nicht pullern, weil ich solche Schmerzen in der Blase habe. Und auch Tablettenschlucken ging nicht mehr, weil ich gebrochen habe. Mama hat Wadenwickel gemacht und eine Schwester gab mir Schmerzmittel. Ich hab Mama unter Schmerzen gefragt, warum das sein muss und wer sich sowas ausdenkt. Solche Krankheiten. Solche Schmerzen.

Um 22 Uhr bin ich eingeschlafen… Hoffentlich ist morgen ein besserer Tag…

Dienstag, 4. September 2018 - Tag 28

Sauer war ich heute!

Früh habe ich mich beeilt. Zusammen mit Mama und Schwester Antje, damit ich um 8 Uhr, angezogen und abgestöpselt, rechtzeitig zur UV-Lichtbestrahlung komme. So wird meine GvHD behandelt. Ganz kurzfristig haben wir gestern davon erfahren. Und dann wurde aus unserer Idee, dass mich Malte zusammen mit Manja besuchen kommen könnte, nichts 🙁 Aber heute früh dann das: um 9 Uhr hören wir, es gibt keine Behandlung sondern nur ein Vorgespräch. Mir sind die Tränen gekommen, ich war wütend auf meinen Körper, auf die Station 30, wo so vieles drunter und drüber geht und manches verloren. Dann hat mich Mama beruhigt. Wir haben Manja gebeten, dass sie mir von meinem Geld ein Lego-Spiel kauft und die nette Physiotherapeutin, die immer nach meinen Tiersocken fragt, hat mit mir bisschen Sport gemacht.

Mittags waren wir beim Aufklärungsgespräch ganz unten in  der Charité. Dort, wo auch die Stammzellenspender ihr Blut abgeben und wo mein Blut bestrahlt wird. Meine Akte fehlte, aber irgendwie ging alles glatt. Mama hat einfach meine ganze Geschichte erzählt. Auf dem Rückweg haben wir Manja draußen am Eingang abgeholt und zusammen sind wir auf Station gegangen. Papa hat mir dort Nudeln mit Tomatensauce gekocht, obwohl ich ihn mit Mama etwas vollgemeckert habe. Weil wir so sauer über das Hin und Her waren. Das war nicht richtig. Ich war einfach kaputt, vom Warten, vom langen Aufklärungsgespräch, vom Essen später (4 Nudeln!) und dem Lego-Spielen mit Manja. Es ist so schön, dass sie mich, so oft es geht, besuchen kommt… Als Mama und Manja losgefahren sind, habe ich zwei Stunden geschlafen und beim Wachwerden ein Quatschfoto mit Papa gemacht und dann gleich weitergeschnuffelt.

Morgen ist Papa bei mir. Mal sehen, was wir zusammen machen werden 🙂

Montag, 3. September 2018 - Tag 27

Heute früh kamen die Oberoberärzte und Papa hat gesagt, dass die Kommunikation nicht gut läuft und wir nicht wissen, wohin wir uns wenden können, wenn wir was komisch finden. Sie haben mich untersucht. Ich habe eine GvHD, eine die auf die Haut und im Darm wirkt. Nun bekomme ich Salben, neue Medikamente und Dienstag und Mittwoch wird mein Blut mit UV-Licht bestrahlt. Am Donnerstag, am 30. Tag nach der Transplantation, wird mein Knochenmark punktiert. Dann sehen sie, wie die neuen Zellen angewachsen sind. Neben all den ernsten Sachen und den Schmerzen, die ich teilweise im Darm habe, geht es mir von Tag zu Tag etwas besser 🙂 Heute hatte ich Physiotherapie, Klinikschule/Mathe, mit dem Avatar habe ich in den Englischunterricht meiner Klasse geguckt und dann kam Mama und hat mir rote Nudeln mit Tomatensauce gekocht. Davon habe ich nur 4 Nudeln geschafft. Aber dafür 0,8l getrunken! Danach haben wir gebastelt, gelesen, ein Paket von Bu geöffnet (seine Tochter Johanna geht in die Patenklasse von meiner Klasse an der Waldorfschule! Vielen Dank für das Geschenk….) und die Maltherapeutin kam (und das gelbe Bild habe ich gemalt) und am Ende des Tages sind wir rausgerollt im Rolli 🙂

Sonntag, 2. September 2018 - Tag 26

Mama und ich haben heute am Vormittag gepuzzelt und gebastelt (nach kleiner Brechattacke und vielem Spucken und Schleim den ganzen Tag lang). Mittag hat Papa in der Elternküche gekocht: Kartoffeln, Quark und Leinöl. Zwei Löffel habe ich geschafft und 0,5 Liter getrunken 🙂 Rausgegangen sind Papa und ich spät, weil wir den ganzen Tag auf einen Arzt aus meiner alten Station gewartet haben, der dann nicht kam. Meine Handflächen und Fußsohlen und auch mein Bauch sind teilweise rotgefleckt und das kann die GvHD sein. Außerdem bin ich sauer, weil manchmal die Schwestern lange, lange nicht kommen. Und manchmal gibt es auch Stress: da ist der Medikamentenspiegel im Blut nicht in Ordnung und keiner weiß warum, dann gibt es keine Stofftücher, die ich zum Ausspucken nehme und eine bestimmte Creme für mich auch nicht. Mama ist dann auf unser alte Station gegangen und hat alles organisiert und nachgefragt, und sie kam mit der Creme, den Tüchern und dem Apfelsaft und mit lieben Grüßen von Schwester DjuDju und Judith zurück. Darüber habe ich mich gefreut.

Papa und Mama sind schon unzufrieden, wie es jetzt ist und morgen bei der Visite will Papa ein paar Sachen ansprechen.

Freitag, 31. August und Sonnabend, 1. September 2018 - Tag 24 und 25

Am Freitag haben wir umsonst auf die Visite gewartet und auch sonst sausen die Schwestern nur so durchs Zimmer, um wenigstens das Piepen der Geräte abzustellen und die Infusionen zu wechseln. Niemand hat uns erklärt, was nun kommt. Es kommt einfach. Immer mehr Tabletten, die ich nehmen muss. Dabei habe ich gerade angefangen zu trinken; essen geht weiter nicht. Und eine Schwester war völlig verdutzt, als Mama sie bat, mich abzustöpseln, damit wir rausgehen können. Sie hat es dann gemacht und ich war mit Tante Elke und Holger, Papa und Mama draußen. Wir sind in den LOTTO-Laden gegangen und ich habe ein Comic von Lucky Luc bekommen. Es war so schön, dass sie mich besucht haben. Jetzt ist es schon bisschen so wie früher. Aber dann ist mir wieder übel geworden und Mama hat mich schnell auf Station gefahren.

Heute beschäftige ich mich bisschen mit dem Minicomputer, der auf der Erde fahren kann…

Donnerstag, 30. August 2018 - Tag 23

Heute ging es leichter als sonst: Waschen, Wiegen, Messen, erste Fragen an Daniel, meinen Pfleger… Dann kam die Ärtzin und sagte, wir dürfen wieder raus 🙂 Ganz langsam. Erst Physiotherapie, dann Schule, zwischendurch schaute ich mal mit meinem Avatar in die Klasse… Und plötzlich stand da wieder die Ärztin und meinte zu Mama: es wär ganz nett – die Blutwerte sind ja so toll – wenn ich auf Station 30 umziehe. Wir können ja jetzt, kurz vor 12 Uhr, die Sachen fix packen und während wir dann draußen sind, würde alles rübergeschoben werden. Hmmm. Daniel hatte große Augen, Mama schwitzte unter dem Mundschutz beim Packen und ich wurde abgestöpselt. Wir haben uns komisch verabschiedet. Eigentlich gar nicht. Das war blöd. Ich will das nachholen… Aber erstmal haben Mama und ich uns auf´s Rausgehen gefreut. Ich vermummt im Rolli am LOTTO-Laden vorbei und eine Ginger Ale kaufen und staunen, was es alles gibt. Anschließend zum Gemüsehändler am Augustenburgerplatz und einen Apfel kaufen. Danach hat Mama in der Cafeteria ein Plastikmesser besorgt und wir sind an ein stilles Plätzchen in der Klinik und haben den Apfel geschält und ich habe zwei Bissen gegessen. Und nichts geschmeckt. Mamas Augen waren riesig (aus Angst, ich muss brechen oder in der Hoffnung, ich esse gleich den ganzen Apfel?). Aber wir waren glücklich! Man sieht das auf dem Foto, oder?

Später sind wir auf mein neues Zimmer auf der Station 30, Zimmer 6. Plötzlich braucht Mama nur noch einen Mundschutz, um mich nicht anzustecken. Sonst sieht sie ganz normal aus. Das ist schön! Wenn sie aber aus meinem Zimmer geht, muss sie sich komplett mit einem Kittel und Handschuhen anziehen, weil ich einen Krankenhauskeim habe, mit dem niemand sonst angesteckt werden soll. Außerdem schreibt keiner mehr auf, was ich trinke und war ich rausbringe. Ich kann normal auf Toilette gehen! Und in ein paar Tagen wieder baden, hüfthoch! Ich muss nicht mehr gewogen werden. Kann alles essen (aber ich will noch nicht; habe heut aber 0,2 Liter getrunken). Und vor meiner Zimmertür höre ich Kinder von der Station, die dort spielen. Noch bin ich weiter isoliert, weil weiter 7 Medikamente in mich gehen und ich mit diesen ganzen Apparatschaften nicht herumspazieren kann und meine neue Abwehr noch nicht ganz so kräftig ist. Aber einmal am Tag werde auch ich für 2 Stunden abgestöpselt und darf raus! Das ist die größte Freude für mich 🙂

Mittwoch, 29. August 2018 - Tag 22

Die Nacht ging so. Und der Tag war ein einziges Durcheinander: Früh habe ich eine halbe Tasse Tee getrunken, nach 27 Tagen ohne Trinken und Essen! Latisha hatte Prüfung und war mit dem Pfleger Daniel und einem Lehrer bei mir und sie musste eine Examensprüfung ablegen. Zweimal. Dazwischen kam die Ärztin und fragte Papa und mich, ob wir einen Spaziergang draußen machen wollen. Wir dachten, sie veralbert uns. Dann aber haben wir Daniel gesagt, wir brauchen einen Rollstuhl und Daniel dachte, wir veräppeln ihn. Bevor es los ging, kam noch die Physiotherapie und die Lehrerin haben wir weggeschickt und dann sind wir eine Stunde raus. Wirklich! Nach genau einem Monat und einem Tag durfte ich raus. Einfach so. In Phase gelb, obwohl es erst in Grün geht. Aber alle sagen, die Blutwerte sind so gut und gestern habe ich noch Schmerzen gehabt… Als Mama heute von der Arbeit kam, hat Papa ihr alles erzählt (ich wollte schon nicht mehr, weil ich kaputt war) und dann kam spontan Carl aus Cottbus, weil er es nicht fassen konnte. Er hat geschrieben „Fett… Ja mega, ich freue mich voll…“ 🙂 

Montag, 27. August und Dienstag, 28. August 2018 - Tag 20 und 21

Ein Rot- und Schwarzsehtag, sage ich zu Mama. Solche Schmerzen am Po, Bauchschmerzen, Kopfschmerzen. Erbrechen und Durchfall und Schleim. So schlapp fühle ich mich. Mir ist übel. Warum ich, frage ich Mama. Und ob ich wieder gesund werde? Mama bleibt die Nacht auf Dienstag bei mir und jetzt ist Papa da. Die Ärzte in der Visite sagen, alles ist so toll, also die Blutwerte, aber warum ist mir so übel? Nun stellen sie das Antibiotika ab und geben mir abends etwas, damit ich eine ruhige Nacht habe.

Sonnabend, 25. August und Sonntag, 26. August 2018 - Tag 18 und 19

Ich habe Mama gebeten, ein schwarzes Foto zu machen, weil es „Schwarzsehtage“ gibt. Gestern und heute. Ich liege. Den ganzen Tag. Bin zu schwach vom Brechen, Waschen, Umziehen, Wiegen, Untersuchen. Der Po schmerzt, mein Bauch, mein Brustkorb. Dazu wieder Wasser in der Lunge und ich bekomme Sauerstoff. Die Ärztinnen sagen, wie wunderbar sich alles entwickelt und sind traurig, weil es mir so schlecht geht. Aber auch dazu sagen sie: alles ganz normal… Weil der Körper ganz viel arbeiten muss, Zellen und Blut produziert und erste Sachen heilen will. Dabei brauche ich viele Schmerzmittel, will nicht sprechen, nicht berührt werden und keine Fragen hören und erst recht nicht darauf antworten :(((

Freitag, 24. August 2018 - Tag 17

Mein Knochenmark stellt weiter fleißig eigenes Blut her. Die Werte steigen von Tag zu Tag. Heute war schon ein wichtiger Wert über 500 und wenn das am Montag immer noch so ist, bin ich in Phase gelb. Dann dürfen Mama und Papa Essen kochen und es muss nicht mehr so steril sein wie das Krankenhausessen. Leider aber mag ich noch nichts essen, weil alle Schleimhäute wund in mir sind. Ich hab immer noch mit Schleim zu kämpfen, mir tut die Brust sehr weh und früh und abends habe ich erbrochen. Danach bin ich erschöpft und auch bisschen traurig, dass das noch so ist.

Am Vormittag war die Physiotherapeutin da, bei der ich viel stehen muss, was mich anstrengt. Aber dann kam eine freundliche Lehrerin und wir haben Englisch gelernt und dabei ein Spiel gespielt, Das hat Spaß gemacht. Und Papa hat den Avatar in die Schule nach Cottbus gebracht und ich konnte mich mit ihm verbinden und habe meine Klasse gehört und gesehen! Noch ist die Verbindung zu schwach und sie bricht ab, aber Papa will das besser machen. Dann kann das toll sein, wenn ich meine Klasse sehe! 

Und Carl hat mich überrascht: er kam mich besuchen :)) So, wie er es versprochen hat…

Donnerstag, 23. August 2018 - Tag 16

Ich habe in der Nacht geschlafen und bin heute ohne Schmerzen aufgewacht. Ich konnte aufstehen und gehen. Mama sagte bald, es ist so schön, dass ich wieder spreche. Ja, ich hab mit Schwester Yvonne gequatscht und später kam Manja, Maltes Mama und wir haben geredet und SOLO gespielt. Dazwischen kam die Physiotherapie und es war anstrengend wie gestern. Sie hat nicht gemerkt, dass es mir nicht gut geht und ich habe nichts gesagt. Erst Mama. Aber da kamen mir vor Erschöpfung schon die Tränen. Mama hat dann Herrn Zimmermann, den Lehrer für Sachkunde, vertröstet auf nächste Woche. Es war dann noch so schön, einfach Manja und Mama zuzuhören. Und zu dritt konnten wir uns mit Schwester Yvonne freuen, als sie ins Zimmer kam und fragte, ob ich meine Blutwerte wissen wollte. Klar! Und wisst ihr was: es wachsen nicht nur die Leukozyten/Granulozyten (heute 0,77 = 770 Stück, am  19.8. waren es ganze 80 :)) Es wachsen auch die roten Blutkörperchen (Hb 9,2) und die Blutplättchen (80). Noch nie hatte ich einen Hb-Wert von 9,5! Und 80 Thrombozyten hatte ich am Tag meiner Katheter-OP nach drei Bluttransfusionen, sonst noch nie. Aber jetzt ist es mein neues Blut, was entsteht. Ich brauche gerade keine Bluttransfusionen mehr. Mama konnte es nicht fassen und Manja liefen ein bisschen die Tränen.

Abends habe ich wieder gebrochen und Schmerzen in der Brust gehabt. Ob das die Speiseröhre ist oder die Stammzellen, die überall, wo Knochenmark ist, anwachsen, vor allem auch im Brustbein. Hmmm. Mama war so lange bei mir, bis die Schmerzmittel etwas wirkten. Und morgen bin ich auf das Blutbild gespannt. Und um 9.45 Uhr stellt Papa den Avatar in der Schule auf meinen Platz 🙂

Mittwoch, 22. August 2018 - Tag 15

Heute früh war alles noch gut. Papa und ich spielten Tischfußball (Danke dafür, liebe Monika+Marie), dann kam die Physiotherapie (das war anstrengend) und danach die Lehrerin (noch anstrengender). Mittags war ich schon müde und hab Papa gesagt, er soll doch eine Pause machen. Da hatte ich dann Ruhe. Dummerweise ist das Morphin ganz abgestellt worden, weil ich keine Schmerzen hatte und dann passierte es: abends, kurz bevor Mama von ihrer Arbeit kam, musste ich mehrmals brechen. Mir war übel, schlecht, schwindelig. Ich hatte Schmerzen in der Speiseröhre. Stundenlang. Dann musste das Morphin wieder her. Und etwas gegen Übelkeit. Ich hab Mama gesagt, sie sollen mich in Stickstoff einfrieren, bis das vorbei ist mit den Schmerzen 🙁 Mama war dann bis 22. 30 Uhr bei mir, bis es mir halberwege etwas besser ging 🙁

Dienstag, 21. August 2018 - Tag 14

Am Vormittag habe ich mich kräftig gefühlt zum Aufstehen, Waschen… Dann hat mich Papa mit dem Avatar überrascht: Der kleine weiße Computer wird auf meinem Platz in der Schule stehen und ich kann von meinem tablet aus und aus dem Krankenhaus heraus den Kopf des Avatar bewegen, seinen Bauch rundherum drehen und natürlich sprechen und alles sehen und hören, was Frau Hinze uns erzählt und was in der Klasse passiert. Am Freitag will Papa ihn in die Schule bringen. Mama und ich können ihn dann gleich von Berlin aus ausprobieren. Das ist toll und Frau Hinze sagt das auch 🙂

Und dann kam die „richtige“ Kliniklehrerin. Unterricht habe ich jetzt jeden Tag von 11.00 bis 11.50 Uhr. Als Frau Kießling weg war, kamen endlich Schwester Maren und Frau Huback aus dem CTK Cottbus. Ich habe so auf sie gewartet. Aber viel sagen konnte ich nicht. Mein Mund ist voller Schleim. Und die Erwachsenen hatten auch so viel zu besprechen. Danke für die Mütze (auf dem Foto), die eine Mutti aus Jüterbog für kranke Kinder näht, und den Film und die Fanta und das Bastelset… So viele Geschenke… Am Nachmittag kam von Papas Firma noch eins: ein Lerncomputer, der auf der Erde läuft. Ich hoffe, ich vergesse keinem Danke zu sagen… 

Als ich schon müde war, kam der Klangtherapeut und hat in meinem Bett vier große Klangschalen aufgebaut und eine Stunde für mich gespielt. Das war entspannend (Mama ist am Tisch im Sitzen eingeschlafen 😉 Und nun ist wieder ein Tag geschafft.

Montag, 20. August 2018 - Tag 13

Heute haben sich meine Leukozyten verdoppelt, sagt Schwester Marlis. Alle Schwestern und Ärzte der Station 39i freuen sich für mich.

Ich schaffe es früh nach dem Wachwerden und Waschen und Blutabnehmen mein Geschenk aus dem 30-Tage-Kalender zu öffnen, dann kommt die Physiotherapie und will meine Muskeln aufbauen. Später kamen noch die Clownsfrauen, die mussten mit Bärchen, Dobby und Fluschi sprechen, weil ich schon kaputt war. Und mittags habe ich erst Ice Age 5 geguckt (das war mein Geschenk heute) und dann hat Mama mir vorgelesen: Matti und Sami und die drei größten Fehler des Universum. Bis ich 14 Uhr eingeschlafen bin… Mama und Papa haben mit halbsieben kurz für die Abenduntersuchung geweckt, aber eigentlich will ich nur schlafen…

Sonntag, 19. August 2018, mittags - Tag 12

Eine Schwester brachte mir mittags Tee und die freudige Nachricht: in meinem Blut von heute Früh wurden 80 Leukozyten* gezählt. Das heisst, die Stammzellen haben ihren Platz gefunden und sind angewachsen und produzieren schon ein bisschen Blut! Papa hat sich sooo gefreut und es gleich Mama geschrieben, die im Elternhaus Wäsche wäscht. Und ich wollte eigentlich in Ruhe das Sonntagsmärchen zu Ende gucken und nun sind alle aufgeregt…

*bei 500 darf ich wieder mehr essen, als nur Keimfreies, Schockgefrostetes und Microwellenerwärmtes (dabei essen ich seit 15 Tagen gar nichts mehr); 2500 hatte ich zuletzt so ungefähr in Cottbus an guten Tagen und 5000-13000 ist der normale Zustand im Blut. Also die 80 zeigen, die neuen Stammzellen fühlen sich gut bei mir und nun braucht es Zeit, damit alles gut wird 🙂 (Stimmt das so ungefähr, Schwester Maren?)

Sonnabend, 18. August 2018 - Tag 11

Schleim, Erbrechen, Haarausfall, Morgenwäsche, ein 30-Tage-Kalender-Geschenk auspacken. Mittag bin ich völlig kaputt. Papa auch. Mama hat heimlich, von der Schleuse aus, ein Foto von uns Schlafenden gemacht :/ als sie zur Ablösung von Papa kam.

Dann kommt Holger und wir spielen Wii. Ich muss mich sehr konzentrieren und es fällt mir nicht so leicht. Um 18 Uhr schlafe ich schon. Mama weckt mich um 19 Uhr noch mal, weil ich auf die Waage muss und Fiebermessen ist dran und Schlafzeug anziehen. Kurz schaut Carl noch herein und bringt mir drei seiner Kinderbücher zum Vorlesen (Dankedanke lieber Carl), aber dafür habe ich leider keine Geduld mehr. Dann sind alle raus, dann habe ich endlich meine Ruhe… 

Freitag, 17. August 2018 - Tag 10

Mama hat mir meine Haare ausgekämmt. Es werden immer weniger. Ich trage schon eine bunte Ringelstrickmütze. Dann habe ich mit dem Schleim gekämpft. Später hat Schwester Yvonne das Pflaster am Katheter gewechselt, was furchtbare Schmerzen auf der Haut macht, weil sie schon so dünn ist. Mit der Physiotherapeutin musste ich Ball spielen und hatte schon keine Kraft mehr. Als Papa am Nachmittag kam, habe ich nur geschlafen. Davor habe ich mir eine Kochsendung angeguckt und Papa hat der Magen geknurrt. Ich wäre schon froh, wenn ich eine Fanta trinken könnte.

Lieber Lenny, Malte, Ole und Jim – vielen Dank für eure Post und Nachrichten und Pakete. Ich freue mich sehr darüber (Jimis Mama hat mir einen großen Leseknochen genäht, der liegt nun auch in meinem Bett) und es tut mir gut, dass ihr an mich denkt. Aber antworten kann ich später erst. Gerade liege ich viel und will mich erholen.

Donnerstag, 16. August 2018 - Tag 9

Mama hat mir gesagt, dass die Haare vielleicht nicht alle ausfallen. Aber das machen sie doch. Überall Haare. Auf meiner Haut, im Bett, auf der Erde. Büschelweise. Das ist schlimm. Ich glaube es kaum 🙁

Schwester Yvonne brachte eine Schermaschine, aber ich konnte es nicht. Meine Kopfhaut schmerzt. Mama kämmte die Haare dann aus. Ein paar Mal am Tag. Ich setze schon die Mütze von Nicole auf. Dann am Abend musste ich wieder brechen, obwohl wir den ganzen Tag den Mund gespült haben. Wahrscheinlich weil ich Sprite getrunken habe. 0,1 Liter. Ich habe mich so darauf gefreut und 2 Tage immer kräftig den Mund gespült. Aber es geht noch nicht. Nun bin ich kaputt vom Erbrechen.

 

Ansonsten hat mir Mama das 4. Snöfrid-Buch vorlesen. Komplett. Dann kam Carl, spontan. Er sieht, es geht mir schlecht und wir können nichts reden und dann redet er mit Mama seinen Kram. Aber es war schön, dass er kam und mich drückte. Und beim nächsten Besuch bringt er seine Kinderbücher mit, die Mama ihm damals vorgelesen hat.

Mittwoch, 15. August 2018 - Tag 8

apa hat eine Lösung mit mir gefunden: alle halbe Stunden eine Mundspülung mit Wasser und dazu ab und an OneDrop und so gab es etwas weniger Schleim im Mund und Hals. Ich konnte Malen (am Tisch! das erste Mal seit acht oder neun Tagen wieder 🙂 und den ganze Tag über hat mir Papa „Sommer mit Opa“ vorgelesen. Das ganze Buch leergelesen!

Am Abend kam Mama von der Arbeit und Papa ist zur Arbeit losgefahren. Das war halb sieben, da war ich schon knülle und dann beim Mundspülen musste ich wieder Gift und Galle spucken. Und alles im Hals und Magen und Po tat weh 🙁 Dann ist mein Puls ganz tief abgesackt und die Sauerstoffsättigung wurde ganz schlecht. Und ich brauchte eine Stunde, um mich davon zu erholen. Dabei ist das noch nicht alles, was dumm gelaufen ist 🙁 Heute habe ich viele Haare zwischen meinen Fingern gehabt. Darüber bin ich traurig. Und auch wütend. 

Dienstag, 14. August 2018 - Tag 7

Überall Schleim. Im Mund, im Hals, im Bauch. Das Atmen ist schwer. Das Schlucken tut weh; ich habe Durst. Mama hat  mich früh gewaschen und ich war allein auf der Waage. Und später habe ich etwas gebastelt, Mama hat mir viele Nachrichten* auf meinem tablet vorgelesen und ich habe Atemübungen mit der Physiotherapeutin gemacht. Aber trotzdem wollte ich nichts Vorgelesen haben, nicht sprechen, nur sitzen oder liegen. Als Papa nachmittags kam, machte Pfleger Daniel eine Nasenspülung auf der Suche nach Keimen, die vielleicht das Wasser in der Lunge erklären. Da musste ich brechen und bin zusammengesackt. Aller Schleim kam aus mir raus. Grüne Galle und dieser ganze Mist.

Nun sammle ich Kräfte.

* Es ist schön, dass ihr an mich denkt, wenn ihr mir schreibt und Bilder schickt. Bitte seid nicht traurig, wenn ich zur Zeit nicht antworte. Es fehlt mir die Kraft. Besser sind auch Sprachmemos, weil ich nicht so viel Text lesen kann. Mama liest sie mir nach und nach vor, aber auch zum Zuhören brauche ich Kraft. 

Montag, 13. August 2018 - Tag 6

Wieder habe ich lange geschlafen und Papa hat mich mit dem Igel-Ball geweckt. Wir haben das Bett bezogen und gelesen. Dann kam die Physiotherapeutin und hat mit mir ein Geschenk aus dem 30-Tage-Kalender geöffnet und das haben wir gebastelt. Als Mama mittags kam, hatte ich so einen Heißdurst auf Apfelschorle und wieder habe ich alles ausgebrochen. Ich schmecke nichts und mein Mund ist wund und immer sitzt ein Kloß aus Schleim in meinem Hals. Ich war total kaputt danach und wütend: ich will in die Schwimmhalle oder wenigstens in der Badewanne baden und Apfelschorle hat vor der Krankheit so gut geschmeckt 🙁 Nun muss ich warten, bis das alles wieder geht, baden und trinken und schmecken und essen… Später bekam ich rotes Blut und Blutplättchen. Auf meiner Haut gibt es kleine Einblutungen und Sauerstoff brauche ich auch weiter… Als Papa später kam, haben wir noch Wii gespielt und als er ging, habe ich ein wenige KIKA geguckt… Jetzt sind schon 7 Tage die neuen Stammzellen in mir und suchen sich ihren Platz. Ich freue mich auf den Tag, wo sie anwachsen und dann mein Körper wieder selber Blut herstellen kann…

 

Sonntag, 12. August 2018 - Tag 5

Heute habe ich bis 8.30 Uhr geschlafen (und Papa im neuen Elternsessel neben mir auch 😉 Dju Dju hat uns geweckt. Und dann haben wir den ganzen Tag über viel gemacht. Ein neues Paket vom 30-Tage-Kalender geöffnet. Da war ein kleiner Igel drin, der sich meinen Körper rauf- und runtergerollt hat und auf ihm spazieren war. Und SOLO haben wir gespielt und vorgelesen und auf KIKA habe ich das Sonntagsmärchen geguckt. Mama war heut gar nicht da. Sie durfte nicht kommen, weil es ihr seit gestern schlecht geht. Aber morgen ist sie bestimmt ausgeruht und wird mich wieder besuchen.

Mir ging es heute sehr gut. So gut, dass ich Cola trinken wollte und den einen Schluck habe ich später wieder ausgebrochen. Naja, ich hatte einfach Appetit darauf… In meiner Lunge ist noch Wasser, aber ich habe kein Fieber und keine Schmerzen und alle freuen sich, wie gut es mir geht.

Sonnabend, 11. August 2018 - Tag 4

Mama hat mir die Haare gewaschen, mit einer Fertigwaschhaube. Und nach all dem Morgenputz und Aufräumen hat sie mir vorgelesen und ich bin eingeschlafen. Davor kam noch die Ärtzin und hat mir erklärt, was mit meinem Mund, mit der Speiseröhre, dem Magen, dem Darm und meinem Po los ist – alles wund durch die Chemo. Und deshalb bekomme ich wieder etwas Morphin. Gegen die Schmerzen. Und damit ich atmen kann, auch wenn in der Lunge Wasser ist, bekomme ich weiter Sauerstoff.

Ich war also richtig ausgeruht, als Holger kam. Von 12:45 bis 18 Uhr haben wir dann Wii gespielt! Könnt ihr euch das vorstellen? Es hat mir solchen Spaß gemacht! Am Abend war ich kaputt.

Es ist schön, dass, außer Mama und Papa, regelmäßig Manja, Carl und Holger kommen, um mit mir etwas zu machen. Dankeschön!

Freitag, 10. August 2018 - Tag 3

Ich habe durchgeschlafen 🙂 Mein Mund ist ganz wund, aber durch die Schmerzmittel merke ich es nicht so. Mehr davon brauche ich nicht. Der Verbandswechsel tat dafür weh. Und am Abend war meine Sauerstoffsättigung im Blut etwas lahm und ich bekomme nun Sauerstoff über Nacht. Die Lunge wurde auch geröntgt. Mit einem Riesengerät kamen sie in mein Zimmer. Mama und Papa waren erleichtert, dass es keine Lungenentzündung ist. Wohl ist aber bisschen Wasser in der Lunge. Trotz allem: mir geht es gut. Manja war da mit den Mützen und den Smileys; mit dem blauen kuschle ich heute Nacht. Susan hat mir ein Buch geschickt. Ich hab wieder ein Geschenk ausgepackt und mit Papa einen Flieger gebaut. Und wir lesen Herr der Diebe und spielen UNO. Und morgen kommt Holger, der Cousin meiner Mama, und wir spielen Wii :))

PS: Unten meine Mutmacherperlenkette. Die hat jetzt ziemlich viele braune Chemo-Kasperköpfe und eine kleine Schnecke für die Stammzellentransplantation. Seht ihr sie? 

Donnerstag, 9. August 2018 - Tag 2

So viele Menschen denken an mich! Ich sehe das auf meinem tablet und an den Grüßen, die Mama und Papa mir ausrichten und an den gestrickten Mützen von einer Freundin von Manja. Und dann kam heute ein Riesenpaket von B.E.L.A., die mir einen Kalender geschickt haben. Der hat 30 Tage. Gezählt wird ab der Stammzellentransplantation. Jeden Tag kann ich ein Tütchen von der Leine pflücken, darin ist eine Nummer und die finde ich auf den 30 Geschenken in der großen Paketkiste. Jedes Geschenk ist eingepackt wie ein Geburtstagsgeschenk 🙂 Heute habe ich ein Teleskop aus Pappe ausgepackt und mit Mama zusammengebaut. Das alles hat mich sehr still gemacht: auch fremde Menschen denken an mich. Das tut mir gut!

Aber etwas war fast noch schöner – ich bekomme seit heute ein Schmerzmittel gegen meinen wunden Mund und das hat einfach auch die Übelkeit vertrieben. Ich kann wieder sprechen. Ich konnte mich im Bett aufsetzen und sogar im Stuhl sitzen, als Mama das Bett bezogen hat. Ich konnte mit Papa streiten und mich vertragen. Er hat mir vorgelesen und wir haben einen Film geguckt. Und dann kam der Musiktherapeut und später Schwester Linda, wie immer alle Hände voll zu tun, und dann noch eine Abordnung von Ärzten aus Tübingen, Rom und Herrn Hundsdörfer. Er sagte, wie groß mein Glück ist: Von 5 Spendern in Polen stimmten bei 3en die Gewebemerkmale 10:10 mit den meinen überein! Mama freut sich, weil sich auch alle unsere polnischen Freunde freuen…

Und nun werde ich schlafen. Die erste Nacht seit vielen Nächten ohne Schmerzen schlafen 🙂

PS: Die dünnen Strippen, die aus meinem Nicki rauskommen, transportieren 7 Medikamente in meinen Körper, über den Katheter. Sie sind so lang, dass ich damit im Zimmer herumlaufen kann. Im Moment geht das nicht, weil ich zu schwach bin. Aber bald wachsen die neuen Stammzellen an und werden gesundes Blut herstellen und dann habe ich Kräfte ohne Ende 😉

Mittwoch, 8. August 2018 - Tag 1 nach der Stammzellentransplantation

Kein guter Tag. Früh wusch mich Papa und mit der Physiotherapeutin spielte ich Ball, mit all meiner kleinen Kraft. Aber ab Mittag war mir wieder so übel und in manchen Momenten ist das schwer auszuhalten. Ich muss dann einfach ganz still liegen, kann mit niemandem sprechen, will nichts hören. Mama hat weiter Herr der Diebe vorgelesen und meine Mutmacherperlenkette gefädelt, die schon weit über 2m lang ist. Jetzt fädeln wir jeden Tag Perlen für die Chemotherapie. Also ich liege viel. Meine Füße, Hände und mein Gesicht sind etwas angeschwollen und heute kam ein Ausschlag dazu. Ab Mittag auch Fieber. Ich darf nun nicht krank werden, weil mein Immunsystem weg und das neue noch nicht angewachsen ist. Wenn ich verzweifelt bin, frage ich Mama, warum ich so eine Krankheit bekommen musste, warum nicht andere, aber andere sollen sowas nicht bekommen und Mama erzählt mir, wie viele Kinder auf der Station liegen und ich nicht allein bin damit. Aber beantworten kann sie mir diese Frage nicht.

PS: Carl war mich besuchen 🙂 Er hat das gleiche gesagt, wie ich gestern zu Mama und Papa: jetzt können wir uns immer gegenseitig mit unserem Blut helfen. Nun haben wir beide 0 negativ.

 

Dienstag, 7. August 2018 - Tag 0

Ein Rotsehtag 🙁 In der Nacht und am Morgen musste ich wieder brechen. Den ganzen Vor- und Nachmittag versuchten die Ärztinnen etwas gegen meine Übelkeit zu machen. Das vierte oder fünfte Medikament half dann. Ich kann nur liegen. Alle Kräfte sind weg. Ich will nicht sprechen, nichts essen, nichts trinken, will nicht berührt werden. Mama und Papa lesen mir Herr der Diebe vor. Legen kalte Waschlappen auf meine Stirn…

Am frühen Abend ging es mir etwas besser. Ich fühle mich ganz schwach. Nun habe ich kein eigenes Immunsystem mehr, mein Knochenmark ist kaputt. Nur noch fremdes Blut hilft beim Leben. Und dann kamen um 20 Uhr die neuen Zellen. Von einer jungen polnischen Frau. Eine Spritze mit einer Leukozytenunterart, eine rote Flüssigkeit, und einen kleinen Beutel mit den Stammzellen, in weiß. Ich habe nichts gemerkt. Noch keine Veränderungen. Aber: meine neue Blutgruppe ist die 0 und der Rhesusfaktor ist negativ. Damit habe ich dieselbe Blutgruppe wie Carl. Danke, liebe Spenderin!

DANKE AUCH AN ALLE für eure Wünsche und kleinen Ermunterungen und dass ihr da seid für die Kaninchen zu Hause und unseren Hund Donner und den Garten gießt. Frau Hinze hat mir ein pinkes Glücksschweinchen gehäkelt. Es soll seine Arbeit gut machen, sagt sie.

Montag, 6. August 2018

Noch ein Rotsehtag.

Wieder Immunsuppressiva und Chemo. Ich liege. Mein Magen schmerzt, mir ist übel. Papa wäscht mich. Ich höre Pumuckl, als es mir etwas besser geht. Als Mama kommt, will ich eine Dönerbox. Und ich bin sauer, als sie sagt, dass wir noch in Phase ROT sind und nicht in  GELB oder GRÜN, wo ich was anderes als keimarmes Essen essen darf. Also esse ich nichts (nur mit Papa habe ich das Charité-Mittagessen probiert: Eierplinse mit Apfelmus, aber die sind kalt geworden, als mein Bett neu bezogen werden musste und sie schmeckten danach wie „Winterreifen“ – hat Papa gesagt, aber es stimmt).

Heue Abend bekomme ich noch mal Chemo und morgen dann zum letzten Mal Chemo und Immunsuppressiva. Und am Dienstag um 18 Uhr kommen die Stammzellen. Sie sind schon da, hat Herr Hundsdörfer zu Papa gesagt. Aus Polen. Und Mamas Freunde sagen: sie hat so viel für Polen getan, jetzt kommt das Gute zurück 🙂

Sonntag, 5. August 2018

In der Nacht von Sonnabend auf den Sonntag habe ich drei Mal gebrochen. Meine Beine schmerzten. Mir war übel. Ich konnte früh nicht aufstehen. Sie haben mir Medikamente gegeben und kurz ging es mir besser (da haben ich zwei kleine Tüten saure Haribos gegessen, auf nichts sonst habe ich Appetit und keinen Hunger soundso nicht). Dann fing die Immunsuppressiva-therapie an, von der ich Fieber bekam. Aber das soll so sein. Ich fühlte mich immer schlapper. Hatte 38,7 Fieber. Papa hat meine Füße massiert und Mama hat Wadenwickel gemacht und Carl kam mich besuchen (ich habe mich so gefreut, aber ich konnte es nicht zeigen). Schwester Linda hatte viel zu tun, da andere Kinder sie auch brauchen. Das Fieber musste dann wieder runter, weil ich auch Thrombozyten brauchte und die kann man nicht bei Fieber geben. 

Es war ein richtiger, anstrengender „Rotsehtag“ 🙁 Ich wollte nicht Pumuckl hören, mit keinem reden und niemand durfte mich anfassen. Aber morgen ist ein neuer Tag!

Sonnabend, 4. August 2018

Mein Tag:

Ein Selfie am frühen Morgen — Phase 10 mit Papa im Bett — Malen Zahl für Zahl — Wii-Spielen — Verbandswechsel am Katheter (Meine Haut verträgt den Pflasterentferner nicht und binnen Sekunden sieht sie aus wie verbrannt und schmerzt und juckt und brennt und beißt unerträglich. Mir laufen die Tränen und ich kneife Mama in die Hände. Sie klebt und cremt und kühlt zusammen mit Schwester Sophie. Am Abend ist alles wieder gut.) — Essen unter Mamas Aufsicht — zweieinhalb Hähnchenstückchen, 2 Stückchen Melone, eine Handvoll Salzstangen und eine Scheibe Brot sowie 0,2 Liter Orangensaft sind meine Tagesbilanz (das ist normal, sagen die Schwestern und Mama kann da gar nichts mehr zu sagen 🙂 — Quatschmachen mit Papa — Radfahren mit Papa — Kuscheln mit Bärchen, Dobby und dem Neuen Fluschi, der am ersten Tag in meinem Bett saß und auf mich gewartet hat…

Freitag, 3. August 2018

Heute Abend nun schon die 7. Chemo. Mir geht es gut, wenn ich mich auch schlapp fühle, Bauchschmerzen und Kopfschmerzen habe und meine Haut beginnt zu jucken. Die Nächte kann ich nicht so gut schlafen, weil die Geräte piepen, auch die im Nachbarzimmer und ich ab und an wach werde. 

Das Schönste heute: Manja hat mich besucht und wir haben Kniffel gespielt, mit Malte, der mit uns über mein tablet verbunden war. Und ich habe den ganzen Tag in Asias Geschenkebuch gemalt. Punkt-für-Punkt. Am frühen Abend habe ich einen Koller bekommen und geweint. Dann hasse ich, wo ich bin und die Krankheit, Mama und Papa nerven, das Liegen (am Nachmittag bekam ich noch rotes Blut und das muss ich im Liegen bekommen). Naja. So ist das mit so einer Krankheit. Ich halte durch.

Donnerstag, 2. August 2018

Heute früh die 4. Chemo. Am Abend die 5.. Der Tag war schlecht. Obwohl: ich habe mich dann doch noch mit Carl vertragen, der mich besuchen kam und wir haben Kniffel gespielt. Und Herr Schellenberg hat die Wii eingestellt und mir Spiele gebracht. Papa hat mir Spiele auf mein tablet geladen. Mama hat mir Fotos von Öhrchen, Lilly und Zabiviaka geschickt, die nicht mit auf die Station durften, weil sie 60 Grad-Wäschen nicht vertragen. Und Kathrin schickte Foto von den Hasen. Und Malte ruft mich an und Don und Ben auch. Da ist schön. Zwischendurch liege ich. Und Schwester Laura ist freundlich und lustig zu mir. Aber eigentlich sind das alle Schwestern und Pfleger. 

Mittwoch, 1. August 2018

Früh kam die zweite Chemo. Zum Glück wird mir nicht schlecht davon. Am Vormittag habe ich mit Papa und dann mit Mama gespielt. Ab Mittag war mir kalt und ich wurde müde und ich habe bestimmt fünf Stunden gelegen, geschlafen, Pumuckl gehört. Zum Abend hin ging es besser. Ich konnte wieder aufstehen, mit Papa stänkern, Schwester Kerstin befragen, was sie an mir macht. Dann kam noch eine Bluttransfusion und dann habe ich mir Pommes bestellt und Schwester Kerstin brachte sie mir :))) Nun läuft die dritte Chemo und ich schlafe langsam ein…

Dienstag, 31. Juli 2018

Früh konnte ich mit Mama noch im Garten liegen, bei 25 Grad, und kuscheln. Dann rief die Charité an, dass wir um 16 Uhr einziehen können. Wir fuhren über Cottbus und ich konnte Carl drücken und er mich. Im Auto schlief ich. Wir kamen bei 38 Grad in Berlin an. Um 17 Uhr war ich auf meinem Zimmer, dass ich nun für fünf, sechs, sieben oder acht Wochen nicht mehr verlassen kann. Mama und Papa mussten über die blaue Stationskleidung noch Kittel ziehen, Mundschutz und Handschuhe tragen. Wir haben alles ausgepackt. Auch Bärchen und Dobby und 40 Pumuckl-CDs. Um 20 Uhr habe ich meine erste Chemo bekommen. Ich habe auch Angst (das sieht man auf meinem Selfie unten). Wir sagen uns dann und auch sonst ganz oft, wie lieb wir uns haben und das wir es schaffen. Später hat mich Mama mit warmen Wegwerfwaschlappen gewaschen, für jedes Körperteil einen. Um 22.30 Uhr sind Papa und Mama gegangen. Ich bin nur noch müde, aber es geht mir gut…

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